Entstehung der Initiative

Entstehung der Initiative

Begonnen hat unser gemeinsames Wirken mit einer Initiative von 18 Frauen, die sich im März zusammengefunden haben, um eine zügige und verantwortungsvolle Öffnung der Kitas und Schulen im Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown zu erwirken.

Seit Mitte März durchleben wir gemeinsam eine sehr wechselhafte Zeit .Wir gingen alle konform mit dem Shutdown Mitte März. Als die Meldung kam, dass unsere Kinder ab sofort bis nach den Osterferien Kindergarten und Schule nicht mehr besuchen dürfen, haben wir Pläne gemacht, wie wir als Familien mit dieser Situation umgehen können. Wir haben, wie viele andere, Bastelmaterial bestellt, mit Alba Berlin Turnstunden im Wohnzimmer veranstaltet und sind mit unseren Familien durch den Wald spaziert. Fünf Wochen, von denen wir wussten, sie werden anstrengend, aber wir werden sie gemeinsam meistern.
Wir haben sie gemeistert, aber wir mussten feststellen, WIE anstrengend es ist, wochenlang Kinder, Homeoffice oder Präsenzarbeit, Haushalt und vielleicht das eine oder andere eigene Bedürfnis unter einen Hut zu bringen. Wir haben auch gespürt, wie einschneidend die Veränderung für unsere Kinder ist, die uns nach ihrem Kindergarten oder ihrer Schule fragen. So sehr wir uns bemüht haben, für Kinder fühlt es sich nicht wie Ferien an, wenn sie kaum etwas unternehmen können, keine Freund:innen treffen dürfen und die Eltern wenig Zeit haben, weil sie arbeiten müssen.
Wir selbst lachten oder empörten uns über Aussagen, dass man doch im Lockdown nun viel Zeit für Entschleunigung habe, mal ein gutes Buch lesen oder meditieren könnte. Wir waren froh, wenn wir es alle paar Tage schafften, mal zu duschen. Aber das schafft man mal irgendwie für ein paar Wochen.


Mitte April warteten wir gespannt auf die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin, die das weitere Vorgehen bekannt geben wollte. Wir hatten schon im Vorfeld kein gutes Gefühl, weil die Stellungnahme der Leopoldina lautete, Kindergärten und Schulen geschlossen zu halten.Unsere Befürchtungen wurden noch überboten. Kinder und Familien wurden nur in einem Nebensatz erwähnt: Kindergärten und Schulen bleiben zu. Weiter zu wichtigeren Punkten.

Unsere Wut trieb uns, social distancing sei Dank, in die sozialen Medien. Dort trafen wir aufeinander, tauschten uns über unsere Situationen aus, konnten unseren Frust teilen. Wir fühlten uns von der Politik ignoriert. Wir weinten mit unseren Kindern, die immer wieder fragten, wieso sie nicht in den Kindergarten oder in die Schule dürfen und ihre Freund:innen vermissten und denen wir nun immer noch keine Perspektive bieten konnten.

Aus unserer Empörung über so viel politische Ignoranz entstand der Antrieb, etwas tun zu wollen. Wir wollten uns zu Wort melden, uns Gehör verschaffen. In der Gesellschaft und in der Politik. Schnell entstand die Idee, gemeinsam eine Petition zu schreiben. Wir sammelten uns in einer Gruppe und erarbeiteten gemeinsam einen Text mit allem, was uns wichtig ist, was dringend Beachtung finden sollte.Nach drei Tagen voller Energie, Kreativität, Feilen an Formulierungen, Wälzen von Quellen, ging unsere Petition an den Start.


Zu Beginn schauten wir noch mehrmals pro Stunde gespannt auf die wachsende Anzahl der Unterschriften, freuten uns über jede einzelne und hatten das Gefühl, etwas zu bewegen. Schnell kamen erste Anfragen für einzelne Interviews. Mit jeder Unterschrift, die unter der Petition landete kamen wir unserem Ziel ein Stück näher. Schnell war die Marke von 25.000 Unterschriften erreicht, bald die 50.000.Wir arbeiteten an weiteren Texten, erstellten eine Homepage, fingen an uns zu vernetzen. Immer mehr Studien wurden publiziert, die unsere Ansichten untermauerten, weil sie Kindern eine untergeordnete Rolle im Pandemiegeschehen zuschrieben. Bei jedem Artikel, der auf die untragbare Situation von Kindern und Familien aufmerksam machte, jubelten wir. Die müssen doch gehört und gesehen werden. Wir setzten große Hoffnung in Experten, die sich öffentlich äußerten.
Mit jedem Tag wurde unsere Arbeit zäher und anstrengender, wir fühlten uns noch müder und erschöpfter als vorher. Unsere Kinder waren ja nach wie vor zu Hause, der Job auch noch zu erledigen. Die Arbeit an unserer Petition und ihrer Verbreitung erledigten wir früh morgens, abends und nachts. Unser Schlafpensum fuhren wir immer weiter herunter.
Es fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt, steil hinauf, wenn sich eine Zeitung für ein Interview meldete oder jemand auf eine Anfrage von uns reagierte, dann wieder steil hinab, wenn wir von Politiker:innen ignoriert wurden oder uns mit wütenden Gegenstimmen in den sozialen Medien auseinander setzen mussten.
Die Hoffnung blieb, bis Ende April, bis die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten sich wieder treffen wollten, sollte sich doch etwas bewegt haben, sollten wir doch etwas bewegt haben.Wir schrieben mit unseren mittlerweile 55.000 Unterschriften im Rücken alle Ministerpräsidenten, Landesfamilien- und Kultusminister an. Und erhielten keine Reaktion.
Ende April wurde die Entscheidung über Lockerungen für Kindergärten und Schulen vertagt. An anderer Stelle wurde gelockert, Gottesdienste, Baumärkte. Wir waren nicht mehr empört, sondern mittlerweile richtig wütend. In der Gruppe teilten wir unsere Wut und bauten uns gegenseitig wieder auf. Planten weitere Schritte, die uns irgendwie näher ans Ziel bringen sollen, politisch gehört zu werden.
Mittlerweile ist es Mitte Mai und es wurden weitere Lockerungen beschlossen. Die Notbetreuung in Kindergärten und Schulen wird ausgeweitet, einzelne Jahrgänge wieder zu Präsenzunterricht zugelassen. Insgesamt sind aber nach wie vor viele Kinder ohne Perspektive zu Hause. Auch einige unserer Kinder. Wir können aber wieder zum Friseur, zum Shopping in die Innenstadt, in den Zoo oder in den Freizeitpark. Wir schauen ins europäische Ausland, wo die Kindergärten und Schulen nie geschlossen oder schon wieder geöffnet wurden. Und erleben, wie sich bei uns wenig tut.Wie hauptsächlich Frauen nun seit Wochen weit über ihre Belastungsgrenze getrieben wurden.
Wir erleben gerade mit, die wie Pandemie gesellschaftliche Missstände nach oben spült. Frauen reduzieren ihre Lohnarbeitsstunden oder geben ihre Jobs ganz auf, weil auf ihren Schultern der größte Teil der häuslichen Carearbeit lastet und sie darunter zusammen brechen. Kinderrechte werden wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Und wir erleben, wie dabei zugesehen, meist aber weggesehen wird.

Wir haben unsere Achterbahnfahrt beendet, sind immer noch aufgewühlt und erschüttert. Wir packen in Gedanken immer mal wieder unsere Koffer und wandern aus. Tun es dann doch nicht und bleiben dran. Weniger mit Euphorie als mit einem zähneknirschenden „das darf ja wohl nicht wahr sein…“. Unser Frust ist groß, wir merken, dass wir einen langen Atem brauchen werden und dass wir uns nur sehr, sehr mühsam Gehör verschaffen werden. Wenn es uns überhaupt gelingt. 

Aber wir geben nicht auf!

Wir wollen mit unserer Petition und unserer Initiative die Belange von Familien und insbesondere von kleineren Kindern wieder in den Fokus der Politik rücken und den Druck erhöhen, entsprechend konstruktive Lösungen zu erarbeiten. 

Unser 5-Punkte-Plan für eine Reintegration der Kinder in die Gesellschaft